von Heydebreck

 

1481 erwarb er das Gut Bartow hinzu, außerdem hatte er seinen Grundbesitz durch Zukauf von den v.Schwerin gemehrt; auf diese Weise waren die Dörfer Moker, Denzerow, Golchen, Burow, Bartikow, Kloxin, Below und Steffensdorp hinzugekommen. Dafür mußte Nikolaus ihm auch absolute Gefolgschaft leisten und zog mit ihm tatsächlich noch im selben Jahr auf Heerfahrt nach Braunschweig, übrigens zusammen mit dem ebenfalls gezähmten Zacharias Hase. Es war dies wohl seine letzte große Tat, denn 1489 bezeichnete ihn sein Sohn Heinrich (urkundlich 1467-1509) bereits als verstorben.

Nikolaus war in vielem und vor allem in seiner Lehnsherren-Taktik ähnlich seinem Großvater Joachim und vielen anderen Rittern seiner Zeit. In der Wahl seiner Mittel war er ganz und gar unbedenklich und von seiner eigenen Stärke so überzeugt, daß es ihm nichts ausmachte, seine Lehnsherren vor den Kopf zu stoßen und die Fronten nach  Gutdünken zu wechseln, da er genau wußte, wie schwach die Fürsten waren, die ihrer Vasallen bedurften.  

Neben den vier Brüdern saßen auch deren Söhne auf Klempenow, so Bernhards Sohn Wedego (urkundlich 1426-1444) allerdings nur bis 1444, dann verpfändete er das ihm gehörige Drittel von Klempenow an seinen Onkel Heinrich (urkundlich 1425-1459).

Auch Georgs Sohn Joachim (urkundlich 1453-1486) gehörte zu den Heydebrecks, die als "erfsetten uppe deme slate Clempenow" bezeichnet wurden. Er war einer jener Heydebrecks, die sich, 1461 durch Raub und Brand geschädigt, Herzog Erich II. von Pommern empfahlen und von ihm Schutz verlangten. Ansonsten trat er nur als Mitsiegler und Zeuge für überwiegend ritterschaftliche Verträge hervor.

Auch Joachims Bruder Ewald der Ältere (urkundlich 1459-1496) saß auf Klempenow und wie sein Bruder suchte auch er 1461 Schutz beim Pommernherzog Erich II. Im Gegensatz zu seinem Bruder jedoch erlangte er mehr Einfluß.  Zusammen mit dem Vetter seines Vaters, Nikolaus (urkundlich 1453-1483), schloß er mit den beiden mecklenburgischen Herzögen Albert V. und Magnus II. 1477 den Vertrag gegen die Stettinischen Herzöge auf Lebenszeit. 1483 aber trat er schon wieder als Zeuge für Herzog Bogislaw X. von Pommern auf. Seit dieser Zeit befaßte sich Ewald hauptsächlich mit Raubüberfällen und nahm 1483 Ruppiner Landsleute gefangen, so daß im gleichen Jahr der brandenburgische Kurfürst Albrecht Achilles einen Beschwerdebrief nach Mecklenburg sandte. Zwei Jahre später gehörte er zu den Mitgliedern der pommerschen Ritterschaft, die den Landständen der Lausitz die Fehde angesagt hatten, weil sie zwei der ihren Gewalt angetan hatten. Diese Fehde beruhte also weniger auf Eigennutz als auf ritterschaftlicher Solidarität gegen Dritte. Und sie bewies sich erneut 1493, als Ewald zu denjenigen Heydebrecks gehörte, die als Mitglieder der Ritterschaft die Regelung zur Erbfolge zwischen Pommern und Brandenburg im Falle des Erlöschens des Greifenstammes besiegelten. Aber den anderen Raubrittern seiner Heimat blieb Ewald verbunden, denn für den Pasewalker Raubritter Zacharias Hase zeugte er 1483. Nicht alle aber waren so ehrlich wie Hase, der ihm hierüber sogar quittierte. Bald wurde er auch selbst Opfer anderer Ritter, so daß sich Herzog Bogislaw 1493 trotz allem lehnsherrlichen Wechsel für Ewald einsetzte.  Schon 1492 schien sich die finanzielle Situation Ewalds verschlechtert zu haben, denn er bat  die mecklenburgischen Herzöge Magnus und Balthasar darum, ihren Schuldner Bernd Maltzan zu drängen, ihn auszuzahlen. Auch in den kommenden Jahren verkaufte er Renten und Grundstücke, verpfändete auch 1496 dem Kloster Verchen eine Pacht zu Kölln. Neben ihm wird zur gleichen Zeit noch Valentin (urkundlich 1480) genannt, der 1480 auf Klempenow saß und seit 1440 mit der Mecklenburgerin Magdalene v.Hahn a.d.H. Basedow verehelicht war.

Klempenow kam anschließend in den Besitz von Nikolaus` Sohn Heinrich (urkundlich 1467-1509), der nach  fast zwei Jahrhunderten den Schlußpunkt unter die Heydebrecksche Ära setzte, die spätestens 1342 auf Klempenow begonnen hatte.

Nichts schien zunächst darauf hin zu deuten, denn 1472 beteiligte er sich mit zwei Pferden an der Fahrt der pommerschen Ritterschaft ins Stift Hildesheim, 1483 lieh er dem Raubritter Zacharias Hase 100 Gulden, 1485 sagte er dem Vogt der Lausitzischen Landstände die Fehde an, im kommenden Jahr setzte er seiner Frau Sophie geborene v.Rieben ein erhebliches Leibgedinge zu ihrer Versorgung aus, und 1486 wurde er von Herzog Bogislaw X. von Pommern mit den ganzen ehemals v.Schwerinschen Güter belehnt, die schon sein Vater Nikolaus erworben hatte, sein Hauptwohnsitz blieb aber Klempenow. 1493 und nochmals 1501 besiegelte er als Vertreter der pommerschen Ritterschaft die Erbfolgeregelung zwischen Pommern und Brandenburg.

Obwohl er deswegen zu den angesehenen Ritterschaftlern in Vorpommern gehörte und bis zu dieser Zeit seinen Wohlstand zu mehren imstande war, schützte ihn dies jedoch nicht vor Verlust und materiellem Verfall. Bald veringerte sich sein Grundvermögen immer mehr. Daß er 1468 zusammen mit Ewald v.Heydebreck den Moltzans einen Hof zu Bertkow verpfändete, fiel noch nicht weiter ins Gewicht, doch bald folgten Verpfändungen zahlreicher Pachten in den Jahren 1489 bis 1514 in Kölln, Kletzin, Bartow, in Rehberg und Golchen. Um 1487 hatte er den Stralsunder Bürger Hans Specklin überfallen, mußte ihm aber nach Einschalten der Stadt Stralsund sein Hab und Gut wieder zurückgeben. Dabei klagte er 1493 selbst über zahlreiche Überfälle von Raubrittern in Klempenow. Es half auch nichts, als er sich 1491 mit seinem Vetter Joachim auf Kartlow wegen des väterlichen und mütterlichen Erbes verglich. Er kam mit ihm überein, daß Joachim alle im Lande Stettin gelegenen Latifundien, er hingegen alle im Lande Stargard gelegenen Lehen erben sollte. Nur die Einkünfte aus den Dörfern Mucker und Tenzerow sollten beiden gemeinsam gehören und ungeteilt bleiben. Heinrich blieb also  weiter dem vorpommerschen Ast angehörig. Mit dem 1496 erfolgten Erwerb eines Gutes in Bartow von seinem Vetter Ewald versuchte Heinrich neue Einnahmen zu finden.

Er machte jedoch mehr und mehr Schulden, dem Kloster Ivenack schuldete er schon längere Zeit 2400 Mark Finkenaugen, so daß er deshalb schließlich 1499 das erst 1494 von seinem Vetter Joachim (urkundlich 1462-1495) erworbene Lehndorf Klein Basepohl an das Kloster verpfänden mußte. Erstaunlicherweise war er 1500 wieder in der Lage, den Herzögen Balthasar und Magnus von Mecklenburg finanziell auszuhelfen, er lieh ihnen zusammen mit drei anderen Ritterschaftlern die stolze Summe von 1000 rheinischen Gulden und bürgte im selben Jahr sogar für einen Dritten - wieder zusammen mit Zacharias Hase - über weitere 100 rheinische Gulden. Mehrfache Bürgschaften übernahm er auch über ähnliche Summen in den kommenden Jahren bis mindestens 1509.

Schließlich aber sah er sich gezwungen, im Jahre 1505 einige Güter in Mecklenburg und Vorpommern an den Rat und Ritter Bernd v.Moltzan zu verpfänden: Grotenzierke, Prillwitz, Lankavel, Liepen-Hohenzieritz, Stribbow, Weisdin, Usadel, Zippel und die wüste Feldmark Poltzke mit zwei zu Weisdin belegenen Sandmölen. Heinrich starb zwischen 1518 und 1520, ohne männliche Erben hinterlassen zu haben. Er hatte aber mindestens zwei Töchter, Sophie und eine nicht namentlich  bekannte, die beide verheiratet waren. Da Bogislaw X. eine periodische Belehnung eingeführt hatte, also das Lehen nicht mehr frei vererbar sein sollte, zog er nach Heinrichs Tod dessen noch verblieben Latifundien ein, das war hauptsächlich die Klempenower Burg. Das lag umso näher, als ihm bereits 1518 Heinrichs Verwandter Johann (1518 auf Rehberg) seinen Anteil am Schloß Klempenow überlassen hatte.

Einige Jahre vergingen freilich noch mit der versuchten Inanspruchnahme des Burgerbes durch Heinrichs Töchter. Sein Schwiegersohn Johann v.Vieregge, verehlicht mit Elisabeth, der schon 1520 Witwer war, erreichte aber nur noch, daß er von Herzog Bogilslaw X. 600 Gulden und "alle Kisten, Kastengerede und Kleinodien" aus Klempenow abholen durfte; gleichzeitg hatte er auf alle Ansprüche an der Burg verzichten müssen. Nach dem Einzug der Burg wurde diese zum Sitz des Amtes Klempenow, auf der nun kein Lehnsmann, sondern ein Amtshauptmann saß, der erst im Zuge der preußischen Verwaltungsreformen im 19.Jahrhundert abgeschafft wurde. Von der im 16.Jahrhundert baulich veränderten mittelalterlichen Burg stand noch 1995 der nordöstliche Eckturm mit Kegelhelm und Teilen des einst zweigeschossigen Palais.

Klempenow war der bedeutendste Grundbesitz der Familie. Andere Zweige der Heydebrecks waren in den Jahren 1350 bis 1500 auch auf anderen Dörfern ansässig, aber in der Kontinuität ihres Grundbesitzes bei weitem nicht so erfolgreich wie ihre Klempenower Vettern.